2005 Skos - ein privater Verband prägt seit 100 Jahren die Sozialhilfe

Januar 2018 / Lisa Stalder

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) wurde 1905 als Verband der Armenpfleger gegründet, mit dem Ziel, die Armut zu bekämpfen. Heute sieht sie sich als Schnittstelle zwischen Politik und Facharbeit – und gestaltet so die Entwicklung im Sozialwesen massgeblich mit.

Es ist bemerkenswert, und für eine Demokratie doch eher untypisch: Mit der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos) ist es hierzulande ein privater Fachverband, der die Sozialhilfe entscheidend prägt. Und das seit bereits seit 1905. Die Skos wurde einst als Verband der Armenpfleger gegründet, zu einer Zeit, als es weder eine Altersvorsorge noch eine obligatorische Krankenversicherung gab. So hatte sich der Verband zu Ziel gesetzt, die Armut zu bekämpfen, eine Fürsorgepraxis zu entwickeln und die Behörden für eine wirksame Sozialhilfe zu gewinnen. Seit 1996 nennt sich dieser Verband nun Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe, die bekannt ist für die detaillierten Richtlinien zur materiellen Existenzsicherung, an denen sich Kantone und Gemeinden orientieren. Dies, weil in der Sozialhilfe bis heute einheitliche Regeln auf Bundesebene fehlen.

Dass die Skos der Sozialhilfe hierzulande schon so lange prägt, war für die Verantwortlichen 2005 ein Grund zum feiern. Am 2. Juni fand im KKL Luzern die grosse 100-Jahr-Jubiläumsfeier statt. Dort liess der damalige Innenminister Pascale Couchepin verlauten, dass es die Skos «in einer idealen Welt» nicht bräuchte. Er betonte aber, dass wir weit von einer idealen Welt entfernt sind und deshalb «Kompromisse zwischen Realpolitik und Sozialarbeit, wie sie die SKOS schafft» nötig seien. «Gerade indem sie Richtlinien zur Existenzsicherung festlegt.»

Erste konkrete Richtlinien 1963

Eigentliche Richtlinien mit konkreten Frankenbeiträgen gab der Verband der Armenpfleger erstmals 1963 heraus. Zuvor veröffentlichte sie ihre Empfehlungen lediglich in Fachzeitschriften oder an Tagungen. Und wie heute handelte es sich damals bei den Beiträgen und beschriebenen Sozialleistungen um Richtwerte, von denen die Kantone und Gemeinden abweichen können. Ab den 1960er-Jahren wurden die Richtlinien alle zwei bis drei Jahre überarbeitet – und sie wurden stets detaillierter. Aus dem Verband der Armenpfleger wurde schliesslich die Schweizerische Konferenz für öffentliche Fürsorge (Sköf). Es war dies der eigentliche Beginn der neuzeitlichen Sozialarbeit, traten doch an die Stelle von Disziplinierung und Kontrolle der Armen vielmehr Einzelfallabklärungen und individuelle Hilfspläne. Mit dem Namenswechsel zu Skos verabschiedete sich der Verband vom Geist des einstigen behördlichen Fürsorgewesens endgültig. 

Bis Anfang der 1990er-Jahre fanden die Empfehlungen zur Höhe von Haushaltgeld, Wohnungsbeiträge und anderen Unterstützungsleistungen auf wenigen Merkblättern Platz. Das änderte sich jedoch schlagartig: 1992, 1997 und 2005 wurden die Richtlinien komplett revidiert, daraus  wurde ein Regelwerk, das rund 180 Seiten umfasst.

Sozialhilfeempfänger üben Kritik

Die Revision, die per Anfang April 2005 in Kraft trat, stiess auf heftige Kritik. So wurde beschlossen, dass der Grundbedarf um 10 Prozent gesenkt werden soll, stattdessen seien die Arbeitsintegration und das Anreizsystem zu fördern. Dieser Entscheid stiess Sozialhilfeempfängerinnen und – empfängern sauer auf. Verschiedene Interessengruppen riefen zu einer Protestkundgebung während des 100-Jahr-Jubiläums auf. Als Skelette verkleidet machten die Demonstrierenden die Festteilnehmer auf ihre schwierige Situation aufmerksam. Als besonders stossend empfanden sie, dass die Skos einen tieferen Grundbedarf empfiehlt und gleichzeitig für ihr eigenes Jubiläum das teure KKL mietet und anschliessend auf einem «Luxusschiff» ein Nachtessen servierte.

Inzwischen wurden die Skos-Richtlinien erneut revidiert; die neuen Richtlinien, die eine weitere Reduktion der Sozialhilfeleistungen vorsahen, traten Anfang 2017 in Kraft.